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The Other 1 Percent

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INTRO

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Die Studierenden, die Sie hier kennen lernen sind nur einige der vielen Frauen und Männer, die ihre einzigartigen, bewegenden Geschichten dem Dokumentarfotografen Antoine Tardy erzählt haben.

Die Ausstellung hinterfragt, wie wir diese Menschen wahrnehmen und gibt einen Einblick in das Leben außergewöhnlicher Persönlichkeiten, abseits von Nachrichten, Klischees und Vorurteilen.

Die meisten der hier porträtierten Studierenden sind Stipendiaten der Albert Einstein Deutsche Akademische Flüchtlingsinitiative (DAFI Programm), welches zum Großteil von Deutschland finanziert und von UNHCR umgesetzt wird. Andere absolvieren Programme des digitalen Lernens. Solche Programme ermöglichen jungen Flüchtlingen den Zugang zu hochwertiger, zertifizierter Bildung, auch in abgelegenen Gegenden, in denen der Zugang zu Hochschulbildung schwierig ist. Hinter jedem Portrait steht eine Erfolgsgeschichte: Die Flüchtlinge haben trotz zahlreicher Hindernisse ein Hochschulstudium begonnen oder abgeschlossen.

Die Aussicht ein Hochschulstudium beginnen zu können – beispielsweise mit Hilfe eines DAFI-Stipendiums
oder durch digitale Studienprogramme – motiviert
Flüchtlingskinder, in der Schule zu bleiben und gute Leistungen zu erbringen.
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Darüber hinaus macht Bildung uns widerstandsfähiger und unabhängiger. Dennoch haben nur 61 Prozent aller Flüchtlingskinder Zugang zu Grundschulbildung, verglichen mit einem internationalen Durchschnitt von 92 Prozent. Nur 23 Prozent der jugendlichen Flüchtlinge besuchen eine Sekundarschule, verglichen mit 84 Prozent der Jugendlichen weltweit. Weitaus  weniger Schülern gelingt es, ein Studium aufzunehmen. Nur ein Prozent der jungen Flüchtlinge ist an einer Hochschule eingeschrieben. Im weltweiten Durchschnitt sind es 37 Prozent.
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KENYA

Angesichts der Schwierigkeiten im Kakuma-Camp ist die durch JWL angebotene Hochschulbildung eine dringend benötigte Alternative. Zu den Hindernissen, mit denen die Studierenden konfrontiert sind, zählen vor allem finanzielle Schwierigkeiten, kulturelle oder traditionelle Barrieren – zum Beispiel hinsichtlich der Bildung von Mädchen –, überlastete Schulen, unzureichende Ressourcen, ein Mangel an ausgebildeten Lehrern und Hürden bei der Anerkennung früherer Studienleistungen.

Unter diesen schwierigen Bedingungen ist das JWL-Programm, das einen hochwertigen Abschluss der Regis University anbietet, ein Hoffnungsschimmer.

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Im Juni 2015 kamen eines Morgens bewaffnete Männer in das Haus von Mireille in Bujumbura, der Hauptstadt von Burundi.

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Sie wurde zusammen mit ihrem Ehemann und ihrer Cousine verhaftet. Sie wurden beschuldigt, Demonstrationen gegen das Regime organisiert zu haben. Im Gefängnis wurde Mireille gefoltert und vergewaltigt. Ihr Mann ist verschwunden. Ihre Cousine wurde ermordet.

Hier zeigt sie ein Foto ihres Knöchels, den ein Polizist mit einer Metallstange gebrochen hat. Das andere Foto zeigt Mireille, wie sie von Claude und zwei weiteren Männern getragen wird. Claude hat ihr bei der Flucht geholfen.

Mireille hat vier Kinder. In der „Camp-Sprache“ ist sie deswegen „Größe 5“.


» Ein Fernstudium ist eine gute Alternative zum traditionellen Studium. Ich möchte meine Kinder in einer sicheren Umgebung erziehen, in der sie eine gute Ausbildung erhalten. Hier im Lager ist das schwierig. Mein Traum ist es, ein Waisenhaus zu eröffnen. Ich selbst bin in einem aufgewachsen. Kinder müssen alle Möglichkeiten erhalten, die wir ihnen nur geben können. «
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Clarisse wuchs in der Provinz Südkivu der Demokratischen Republik Kongo auf.

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Ihr Vater, ein Professor für Menschenrechte, wurde regelmäßig verfolgt. Aus diesem Grund musste die siebenköpfige Familie aus der Heimat flüchten. Clarisse erreichte Kenia und lebt nun allein.

„Als wir die Grenze zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Uganda erreichten, wurden wir von Soldaten festgenommen. Sie haben meinen Vater getötet und meine Mutter vergewaltigt. Ich bin weggelaufen und hier gelandet. Ich habe gehört, dass der Rest meiner Familie in den Kongo zurückgekehrt ist…“


» Wie meine Zukunft aussehen wird? Ich weiß es wirklich nicht. Ich weiß nur, dass ich weiter lernen und alle meine Chancen nutzen muss. «
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Parallel zu ihrem Studium unterhalten Innocent und seine Frau ein Geschäft für Flüssigseife.

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In einem Teil ihres Hauses verkaufen sie die Seifen, in einem anderen stellen sie sie her. Vor dem Haus haben sie Aloe Vera gepflanzt. Bevor Innocent aus seinem Heimatland
Burundi floh, studierte er Pharmazie und Chemie. Das kommt ihm nun zugute.


» Als ich im Lager ankam, wollte ich weiter studieren. Ich hatte Angst, wenn ich einen Job finde, würde mich das vom Studium abhalten. Ein Studienabschluss wird mir auf lange Sicht mehr bringen als Geld. Die Konflikte in meinem Heimatland rühren auch daher, dass die Bevölkerung nicht ausreichend gebildet ist. «
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» Ich weiß jetzt, dass ich meinen Traum, ein Hochschulstudium zu absolvieren, verwirklichen werde. Leider im Gegensatz zu den meisten anderen Flüchtlingen. «
– Mvuyekure

» Anfangs hatte ich keine Hoffnung, wie so viele Menschen in den Camps. Nach dem Abitur wusste ich nicht, was ich tun sollte. Aber ich habe diese Chance [DAFI-Stipendium] bekommen und möchte nun die anderen im Camp unterstützen und etwas zurückgeben. «
– Chagodi.

» Wenn wir das Bildungssystem hier durchlaufen, wird uns klar, dass wir Menschen sind, dass wir wichtig sind. Viele von uns begreifen das nicht. «
– Omar

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» Ich habe immer davon geträumt, zur Universität zu gehen, aber ich hatte nie genug Geld dafür. Das [DAFI] Stipendium ist ein Segen. Es bringt mich weiter als ich mir vorgestellt hatte. Als ich das Stipendium bekam, wusste ich, dass ich mein Bestes geben würde. Es gibt Herausforderungen, aber sie halten mich nicht auf. Ich kann von ihnen lernen und sie sind richtungsweisend für das, was ich erreichen möchte. «

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» Wenn man Flüchtlingen den Zugang zu Bildung ermöglicht, hilft man der ganzen Gesellschaft. Hochschulbildung erweitert den Horizont, gibt Perspektiven und bestärkt einen. Jugendliche Flüchtlinge sind bereit zu lernen und sich selbst zu übertreffen. Sie können sehr davon profitieren. Für mich sehe ich eine glänzende Zukunft, das habe ich immer getan. Dank meiner harten Arbeit werde ich es zu etwas bringen. «
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Mark war 25 Jahre alt, als er aus Uganda floh und in das Flüchtlingscamp Dadaab kam. Auf diesem Foto ist er 54 Jahre alt.

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Mark hat vier Kinder, die alle studieren.
„Ich möchte nicht, dass sie so sind wie ich. Sie müssen mich beim Lernen übertreffen. Ich möchte, dass sie mehr Möglichkeiten und Freiheiten haben, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen“, sagt er.


» Ich habe fast 30 Jahre lang nichts Neues gelernt. Ich verharrte sozusagen in einem mentalen Winterschlaf. Es fühlte sich an, als hätte ich eine Ewigkeit geschlafen, aber das Studium hat mich daraus befreit. «

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Geneviève stammt ursprünglich aus Ruanda, wurde aber in einem Camp im Kongo geboren.

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Als Geneviève ein Jahr alt war, kam ihre Familie nach Nairobi. Dort studiert sie Erziehung und unterrichtet während der Semesterferien in kenianischen Schulen. Sie ist auch Fußballtrainerin. In Zukunft möchte sie mit verschiedenen Organisationen zusammenarbeiten, um Straßenund Flüchtlingskinder zu unterstützen.


» Um als Flüchtlinge zu überleben, ist der Erwerb von Bildung der einzige Weg. Ich bin der lebende Beweis. «
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Fonis Familie kam 1991 aus dem kriegsgebeutelten Sudan nach Nairobi. In Kenia begann sie sich zunehmend gegen die negativen Vorurteile gegenüber Flüchtlingen zu engagieren.

Foni ist der Ansicht, dass Interaktion und Bildung von entscheidender Bedeutung sind, um den Frieden und die Wertschätzung kultureller Vielfalt zu fördern. Zusammen mit einer kenianischen Freundin gründete sie die lokale YEMI-Initiative (YEMI bedeutet in Swahili in etwa „Du bist ich und ich bin du“).

Sie will in den Südsudan zurückkehren, um sich aktiv an der Friedenskonsolidierung und -entwicklung zu beteiligen. „Die Art und Weise, wie man auf einen Konflikt reagiert, ist entscheidend“, sagt Foni. „Wenn du dich selbst in jemandem wiedererkennen kannst, siehst du, dass er auch ein Mensch ist. Ich bin du und du bist ich.“


» Ich möchte das Image ändern, dass Flüchtlinge hilflos sind, nichts für sich selbst tun, auf Hilfe
angewiesen sind und so weiter. Meine Motivation ist es, diese Ideologie zu ändern. Flüchtlinge haben viel zu bieten und mit ihren Fähigkeiten können sie viel mehr tun. «
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RWANDA

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„Dr. Jonas“ wird er in Kiziba genannt.

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Jonas erhielt 2012 sein DAFI-Stipendium. Er wurde damals unter 800 Bewerbern ausgewählt. Er hat die hohen Erwartungen mit dem Abschluss des Studiums und der Aufnahme eines Arzt-Praktikums erfüllt.

Er ist der erste Flüchtling, der das Medizinstudium erfolgreich absolviert hat, nicht nur in Kiziba, sondern in ganz Ruanda.

"Ich komme aus einer großen, bildungsfernen Familie. Zu sehen, was Bildung für Familien und Gemeinschaften bedeuten kann, ist mein größter Antrieb."
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» Wenige Mädchen aus dem Camp schließen die Sekundarschule ab. Viele meiner Freundinnen wurden schwanger und mussten von der Schule abgehen, um auf ihre Kinder aufzupassen. Ich habe mir Ziele gesetzt und mich auf die Schule konzentriert. So habe ich es auch geschafft, ein DAFI-Stipendium zu erhalten. Ich weiß, dass ich nur mit einer guten Ausbildung meine Lebensbedingungen verbessern kann. «
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» Mein Vater hatte kaum Mittel, um mich zu unterstützen, aber er hat mir immer erklärt, wie wichtig Bildung ist. Während meiner ersten zwei Schuljahre besuchte ich eine Oberschule außerhalb des Camps. Wir mussten jeden Tag sechs Kilometer dorthin laufen. Für mein letztes Jahr bekam ich ein tipendium und konnte auf eine bessere Schule in Kigali gehen. In der Oberschule wurde ich als Elektriker ausgebildet und bin jetzt gut vorbereitet, um Bauingenieurwesen zu studieren. «
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Jean-Claude erblindete im Alter von elf Jahren, Necelatte im Alter von acht Jahren.

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Beide stammen aus Burundi und sind enge Freunde, seitdem sie sich an einer weiterführenden Schule für Kinder mit Sehbehinderungen kennenlernten.
„Ich habe viel gelitten. Ich wurde von der Gesellschaft ausgeschlossen. Es war sehr schwierig, mich selbst und meine Behinderung zu akzeptieren“, sagt Jean-Claude. „Ich wurde in meiner Familie stark diskriminiert und misshandelt“, fügt Necelatte hinzu. Jean-Claude: „Ich möchte allen meinen Mitmenschen mit Behinderung sagen, dass sie die Hoffnung nicht verlieren dürfen. In erster Linie müssen wir uns selbst akzeptieren. Dann können wir unsere Zukunft planen und daran arbeiten, unsere Ziele zu erreichen.“


» Ich habe größte Zuversicht für meine Zukunft. Die größten Hindernisse in meinem Leben habe ich bereits überwunden. Ich ermutige alle Menschen mit Behinderungen aller Art, sich selbst zu akzeptieren und stolz auf sich zu sein. «
– Necelatte

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Ella verließ ihr Heimatland Burundi im Jahr 2015.

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Als Absolventin des Kepler-Programms arbeitet sie heute als Refugee College Beraterin. Ella ist verantwortlich für das Management von Keplers Vorbereitungsprogrammen für Stipendiaten in ganz Ruanda, die Entwicklung des Lehrplans für Lehrerassistenten und die Unterstützung von Flüchtlingsstudenten vor, während und nach dem Studium. „Flüchtlinge sind mit vielen Hindernissen konfrontiert“, erklärt sie. „Wir unterstützen sie bei der Bewältigung dieser Herausforderungen.”

Ella ist entschlossen, die Zahl der jugendlichen Flüchtlinge zu erhöhen, die Zugang zu Hochschulbildung haben, insbesondere für Mädchen und jungen Frauen. Ella führte vorbereitende Schulungen für angehende Studenten durch und erlebte, mit welchen Hindernissen vor allem Mädchen beim Thema Bildung zu kämpfen hatten.  


» Offen für die Studierenden zu sein und bereit zu sein, aus ihren Bemühungen und einzigartigen Erfahrungen zu lernen, ist ein wichtiger Faktor für die Wirkung unserer Arbeit. Wenn ich ihren Erfolg sehe, bin ich so stolz. «
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SENEGAL

Yvonne floh 1994, als sie fünf Jahre alt war, mit ihrer Mutter und ihrem Bruder während des Völkermords aus Ruanda.

Die Familie lebte in verschiedenen Flüchtlingscamps in der Demokratischen Republik Kongo und der Republik Kongo, bis sie 1999 schließlich Senegal erreichte, das zu ihrer Heimat geworden ist.

Dank der Unterstützung von UNHCR schloss Yvonne das College mit einem Master in Qualität, Hygiene, Sicherheit und Umwelt ab. Seitdem ist sie in leitender Position in einer renommierten Baufirma in Dakar tätig.


» Unsere Mutter hat uns beigebracht, dass es jemandem, der eine Ausbildung hat, immer besser geht als jemandem, der keine Ausbildung hat. Sie war Witwe, hatte zwei Kinder und keine Mittel. Sie musste kämpfen, damit wir Essen bekamen. Trotzdem hat sie immer ihre Würde und Unabhängigkeit bewahrt. Heute arbeite ich, bezahle meine Miete, finanziere die Ausbildung meines Kindes, kann meinen Eltern etwas geben, ich werde respektiert. «

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Als sich ein langjähriger Grenzstreit zwischen Mauretanien und Senegal verschärfte, floh Fatimatas Familie im April 1989 aus Mauretanien. Damals war sie 13 Jahre alt.

UNHCR unterstützte Fatima dabei, ihre Sekundarschule abzuschließen und die Universität zu besuchen. „Ohne Initiativen wie DAFI und ähnliche Programme hätten wir Flüchtlinge keine Chance am Weltgeschehen teilzunehmen, unsere Stimme zu erheben und unsere Meinung zu sagen. Durch Bildung können wir uns emanzipieren, den Verstand und das Herz öffnen, Schmerzen und Schwierigkeiten zu überwinden. Insbesondere Frauen sollten einen besseren Zugang zu Bildung erhalten, denn sie spielen eine Schlüsselrolle.“  


» Alle meine Brüder und Schwestern haben eine Hochschulbildung genossen. Mein Vater wollte nichts von Heiraten hören, solange wir nicht einen Bachelor-Abschluss hatten. Meinen Schwestern und mir sagte er, dass wir unsere Familie nur unterstützen können, wenn wir einen Job haben. «

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LEBANON

» Meine Kinder sind noch jung, aber ich werde ihnen sicherlich sagen, wie wichtig Bildung ist, welchen unglaublichen Unterschied sie im Leben eines Menschen macht und mit welcher Not ich persönlich konfrontiert war. Ich hoffe, es wird sie zum Lernen motivieren. Ich möchte ein Vorbild für sie sein. «
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Fatima war in der achten Klasse, als in ihrer Heimatstadt Aleppo der Krieg ausbrach. Seitdem hat sie etliche Hindernisse auf ihrem Lebens- und Bildungsweg überwunden.

“Ich habe sehr schwere Zeiten durchgemacht, aber meine Verwandten und Freunde standen mir immer zur Seite“, sagt sie. Als sie an der angesehenen Amerikanischen Universität von Beirut aufgenommen wurde, sagte ihr Vater: „Du bist dabei, deine Träume zu verwirklichen und das Unmögliche wahr werden zu lassen."


» Ja, wir sind Flüchtlinge und haben mit vielen Problemen zu kämpfen. Aber wir können nicht aufgeben. Wir müssen mutig sein. Flüchtlinge zu sein bedeutet nicht, dass wir keine Träume haben dürfen und sie nicht erreichen können. Die Zukunft wartet auf uns. «

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Als der Krieg in Syrien begann, musste Fidaa ihr Studium der arabischen Literatur abbrechen und konnte es für zwei Jahre nicht wieder aufnehmen. Um sich und ihre Familie zu ernähren, nahm sie eine Vollzeitstelle bei einem Zahnarzt an. Erst im dritten Jahr im Exil in Libanon erhielt sie das DAFI Stipendium und konnte die Arbeit aufgeben. Im Anschluss an das DAFI-Stipendium erhielt sie Unterstützung durch das HOPES Programm und konnte das Masterstudium in Psychologie anschließen.

“Was vorher völlig unerreichbar schien, wurde Wirklichkeit. Die Gebühren für das Masterstudium sind sehr hoch. Ich hätte nie gedacht, dass ich mir das leisten könnte. Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung, die ich erhalten habe.”


» Seit ich klein war, war ich immer eine der besten Schülerinnen. Ich habe immer an Bildung geglaubt und in sie investiert. Bildung ist der Grundstein des Lebens. Sobald wir aufhören zu lernen, stecken wir fest. Lernen ist das, was uns ermöglicht, uns weiterzuentwickeln. «

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Seit er in den Libanon gekommen ist, hat Hassan viele Stunden neben seinem Studium in Bekleidungsgeschäften gearbeitet.

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„In den ersten drei Jahren habe ich zwölf Stunden am Tag und sieben Tage die Woche gearbeitet“, sagt er. „Es war extrem schwierig und ich war unglücklich. Aber ich wollte unbedingt meinen Abschluss machen.“

Für sein viertes Bachelorjahr erhielt er schließlich das DAFI Stipendium. „Ich war so erleichtert. Endlich konnte ich meinen Job kündigen und mich auf mein Studium konzentrieren. Ich habe auch viele Freiwilligentätigkeiten aufgenommen, zum Beispiel habe ich Kinder psychosozial unterstützt und Straßenkindern geholfen.“ Heute hilft Hassan seinem Bruder in dessen Bekleidungsgeschäft aus.


» Seit ich mein Abitur gemacht habe, wollte ich immer Psychologie studieren. Für mich ist es eine sehr interessante akademische Disziplin. Es bietet einem Möglichkeiten und Werkzeuge, sich selbst kennenzulernen und mit anderen umzugehen. Ich genieße es wirklich, mit Kindern zu arbeiten. Was auch immer du ihnen gibst, sie geben es dir zurück. «
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Manar lebte fast fünf Jahre in einer provisorischen Siedlung, bis sie kürzlich mit ihrem Ehemann und ihren drei Kindern in eine Wohnung zog.

Dennoch hilft sie den Kindern der Siedlung weiterhin bei ihren Hausaufgaben. „Ich liebe Kinder wirklich“, sagt sie, „Sie sind ehrlich und offen. Sie sind eben, wie sie sind.“ Manar möchte Lehrerin werden.


» Die Flüchtlingskinder hier in der Siedlung brauchen wirklich Unterstützung. Viele von ihnen besuchen keine Schule. Entweder gibt es keinen Platz für sie, oder die Schule ist zu weit weg oder etwas anderes. Ich möchte mein Bestes geben, um ihnen zu helfen. «

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Weam hat kürzlich ihr Bachelorstudium in Informatik begonnen, nachdem sie ein herausforderndes Abschlussjahr an der Oberschule absolvierte, in dem sie zum ersten Mal auf Englisch lernen musste. Danach studierte sie ein Jahr Physik an der Universität, was ihr aber nicht gefiel.

Weam liebt Videospiele und möchte an der Schnittstelle von Programmierung und Game Design arbeiten. „Aber es wird nicht einfach sein“, sagt sie. „Erstens muss ich die finanziellen Mittel dafür aufbringen, und zweitens gibt es in der Region nur sehr wenige Unternehmen in diesem Bereich. Das bedeutet, dass ich wahrscheinlich ins Ausland gehen muss, um meine Karriereziele zu verfolgen.“


» Ich freue mich sehr, die Möglichkeit zu haben an der Universität zu studieren, da dies der Weg zur Unabhängigkeit ist. Seit ich mein Studium begonnen habe, fühle ich mich in meiner Persönlichkeit und meiner Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, gestärkt. «
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JORDAN

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Monther schloss eine Woche vor der Aufnahme dieser Fotos sein Studium mit einem Bachelor in Jura ab. Er war Klassenbester. Im Jahr 2012 war er mit seiner Familie aus Syrien geflohen und hatte zwei Jahre lang keine Möglichkeit zu studieren.

Während dieser Zeit meldete er sich bei verschiedene Hilfsorganisationen und unterstütze so freiwillig andere Menschen im Camp. „Das hat mir geholfen, diese schwierige Zeit zu überstehen. Ich habe lange gebraucht, um mich an das Leben im Camp zu gewöhnen und mit der Hitze, den Stromausfällen, und der eingeschränkten Versorgung zurecht zu kommen“, sagt er.


» Ich kann nicht einmal beschreiben, wie ich mich an dem Tag fühlte, als mir das DAFI Stipendium zugesagt wurde. Meine Hoffnungen und Träume kamen zu mir zurück. Bildung ist alles in meinem Leben. «

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Ala’a studierte Medien und Journalismus an der Universität von Damaskus, bis der Krieg in Syrien ausbrach. In Jordanien konnte sie zwei Jahre lang nicht studieren. Dann erhielt sie ein DAFI- Stipendium. Ein Jahr später heiratete sie und bekam ihr erstes Kind. „Vielleicht war das Stipendium der Schlüssel zu meinem Glück!“, sagt sie.



» Unser schwieriges Leben spornt uns an. Deshalb sind wir Flüchtlinge Leistungsträger. «
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On the left, Ala'a is a third-year undergraduate student in Education. She is 22 and has a 10-month old daughter. She is now 24 (right). She graduated nine months ago and is pregnant with her second child, while her daughter is almost three years old.

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Als Mohammad 2012 Syrien verließ, musste er im dritten Studienjahr sein englisches Dolmetscher-Studium unterbrechen.

Bis 2016 konnte er das Studium nicht wieder aufnehmen. „Es war eine sehr schwierige Situation für mich“, sagt er. „Der Druck war sehr hoch. Das DAFI-Stipendium war sozusagen meine Rettung.“

Um über die Runden zu kommen, arbeitet Mohammad jeden zweiten Tag 16 Stunden am Tag als Kassierer in einer Tankstelle. Trotzdem erreicht er hervorragende Noten. „Ich suche einen anderen Job, bei dem ich weniger arbeiten muss. Ich will mehr Zeit für das Studium haben, so dass ich schneller fertig werde.“


» Der Arbeitsmarkt ist hart für Syrer in Jordanien. Trotz unserer Qualifikationen und Fähigkeiten werden wir nicht unbedingt gefördert... «

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Wegen des Krieges in Syrien wurde Bushras Familie getrennt. Sie lebt nun mit ihrer Mutter und zwei ihrer Brüder in Jordanien. Der Rest ihrer Familie lebt zwischen Syrien, der Türkei, Saudi Arabien und den Vereinigten Staaten verstreut.

“Als ich hierher [Jordanien] kam, konnte ich an nichts anderes denken, als daran, wann wir endlich wieder zurückkehren würden. In meinem Kopf war gar kein Platz, um ans Studieren zu denken. Schließlich habe ich mich aber doch für das Pharmaziestudium eingeschrieben.”

In den ersten zwei Jahren an der Universität hatte Bushra kein Stipendium, was eine große finanzielle Herausforderung darstellte. Um für sich selbst zu sorgen, arbeitete sie als Privatlehrerin.


» Jetzt, da ich ein DAFI-Stipendium habe, kann ich mich voll und ganz auf mein Studium konzentrieren und versuchen, die bestmöglichen Noten zu erzielen. Sie sind auch schon viel besser geworden, seit ich das Stipendium erhalte. «
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Mohammad war der erste von DAFI unterstützte Hochschulabsolvent im Flüchtlingscamp Zaatari. Dort lebt er seit 2013 mit seinen Eltern und acht Geschwistern. Heute ist er verheiratet und hat zwei Kinder.

“Die Studierenden im Camp sind Vorbilder für die Jüngeren. Sie sehen zu uns auf. Meine eigene Geschichte kann einige von ihnen inspirieren und ihnen Hoffnung schenken, denn ich habe sowohl ein DAFI-Stipendium als auch ein HOPES-Stipendium erhalten.”


» Seit ich im Camp lebe, habe ich mich engagiert. Ich möchte keine traurige Person werden und blicke optimistisch in die Zukunft. Je mehr Fähigkeiten ich erwerbe, desto sicherer fühle ich mich. Meine Zukunft sieht jetzt besser aus als vor einigen Jahren. Es liegt in der Verantwortung eines jeden einzelnen, Lebensziele zu bestimmen und alles in unserer Macht Stehende zu tun, um sie zu verwirklichen. «
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Als Khaled 2014 mit seiner Familie aus Syrien floh, nahm er nur seinen Pass und seine Schulzeugnisse mit. Er musste sein Ingenieurstudium im vierten Studienjahr unterbrechen. „Dies waren definitiv die wichtigsten Dinge, die ich besaß“, sagt er.

Nach der Flucht arbeitete Khaled zwei Jahre auf dem Bau, bevor er sein Studium wieder aufnehmen konnte. Zusätzlich engagierte er sich freiwillig. „Freiwilligenarbeit gibt einem die Möglichkeit, Menschen in Not beizustehen und einen Beitrag zur Gesellschaft zu leisten. In Syrien habe ich ehrenamtlich als Lehrer mit Kindern gearbeitet.“


» Ich hatte immer die Vision, dass Menschen einander selbstlos helfen müssen, auch wenn sie sich nicht kennen. Verwundbare Menschen sollten besondere Fürsorge und Aufmerksamkeit erhalten. «

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2017 war er zuversichtlich, dass er seinen Abschluss machen und „ein aktives Mitglied der Gemeinschaft“ werden würde. Doch er grübelt oft über die Zukunft nach: „Im Moment konzentriere ich mich auf mein Studium. Es gibt mir ein klares Ziel. Aber was dann? Was wird passierenß Wo werde ich hingehen?”.


» Wir alle haben irgendwann mal Schwierigkeiten im Leben, aber wir alle haben auch die Möglichkeiten unsere Situation zu verbesser n. Bildung und harte Arbeit spielen da eine sehr große Rolle. Man darf nie die Hoffnung verlieren, denn keiner weiß, was der nächste Tag bereithält. «
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Zwischen diesen beiden Fotos, die zwei Jahre auseinander liegen, machte Odai seinen Bachelorabschluss an der Universität von Jordanien und heiratete.

Heute sucht Odai in Jordanien und im Ausland aktiv nach einem Job oder einer Möglichkeit, ein Masterstudium zu beginnen. Er arbeitet als Privatlehrer, um über die Runden zu kommen. Seine Frau Salam musste auch aus Syrien fliehen, lebt aber mit ihrer Familie in Schweden. Odai hofft, bald wieder mit ihnen zusammen zu sein.

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PAKISTAN

Safia wurde als Kind einer afghanischen Familie in einem Flüchtlingscamp in Pakistan geboren. Schon in jungen Jahren engagierte sie sich eifrig in ihrer Gemeinde.

„Als ich eines Tages die Schule verließ, bemerkte ich eine Gruppe Straßenkinder“, erinnert sich Safia. Sie ging auf sie zu und bot ihnen an, sie bei sich zu Hause zu unterrichten. Dieses Angebot nahmen die Kinder an und die Gruppe wuchs stetig.

Später begann Safia auch, mit Frauen in ländlichen Gebieten im Bereich Friedenskonsolidierung und Sensibilisierung für Extremismus zu arbeiten. Sie glaubt fest an das Potenzial von Frauen, den Wandel in der Gesellschaft positiv zu beeinflussen, was aber oft übersehen wird.


» Wenn Schüler unterschiedlicher Herkunft zusammen lernen, überwinden sie Klischees. Sie sehen, dass sie Gemeinsam- keiten haben. «
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Anfang 1990 floh Farzanas Familie aus einem von den Taliban regierten Afghanistan. Sie ließen sich in der Stadt Haripur nieder, 65 Kilometer nördlich von Islamabad. Dort wurde Farzana als erste von zehn Geschwistern geboren.

„Bibi“, so ihr Spitzname, erhielt das DAFI-Stipendium im Jahr 2015, zwei Jahre nachdem sie ihre College Ausbildung an der Comsats University in Abbottabad begonnen hatte. Im Juli 2018 promovierte sie im Fach Pharmazie.

„Nach dem Abschluss habe ich mir einen Job gesucht und mich in mehreren Krankenhäusern beworben“, erklärt sie. „Schließlich wurde mir eine Trainee-Position in einem privaten Krankenhaus in Islamabad angeboten.“ Ihr Ziel ist es, einen Master in klinischer Pharmazie zu machen.


» DAFI hat mich und meine Familie nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch dazu beigetragen, mein Selbstvertrauen deutlich zu stärken. «
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Antoine Tardy ist ein Dokumentarfotograf wohnhaft in Genf in der Schweiz. Auf der fortwährenden Suche nach Sinn, Aufrichtigkeit, Einfühlungsvermögen und Wahrheit im Leben findet er seine Bestimmmung darin, menschliche Geschichten zu dokumentieren und zu erzählen.

Tardy reiste zu einigen der Außenbezirke und verborgenen Winkel unserer Welt: vom Gipfel des Kilimandscharo über die schwimmenden Slums der bangladeschischen Hauptstadt bis hin zu Rios Favelas, Äthiopiens Felsenkirchen, Gazas Stränden, Ostafrikas Flüchtlingslagern und den Austragungsorten der Olympiade in Peking, Georgiens Skipisten und Indiens Triebwagen.

Seine Arbeiten wurden unter anderem in Amman, Kopenhagen, Dhaka (auf einer Rikscha!), Genf, Islamabad, New York, Paris und Rio de Janeiro ausgestellt.

Mit der Fotoserie „The Other 1 Percent“ möchte Tardy dazu beitragen, die Entmenschlichung und Stereotypisierung von Flüchtlingen zu bekämpfen. Er will sie als gewöhnliche Menschen zeigen, die zu einem außergewöhnlichen Leben gezwungen sind.

„Als ich diese Studierenden und Alumni traf, sie und ihre Familien kennenlernte, war ich beeindruckt, wie viel wir gemeinsam haben und wie entschlossen, belastbar und talentiert sie sind. In einem der Flüchtlingscamps, die ich besucht habe, stand an der Wand: „Wir sind die Menschen, auf die wir gewartet haben“ – Ich denke, das sagt alles.“


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